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(Revision 5, 21 Oct 2009, IngoBlickling)


Freinet-Pädagogik

Freinet-Pädagogik in Zitaten

"Den Kindern das Wort geben"
Kerngedanke des französischen Reformpädagogen Célestin Freinet

"Das Leben nämlich ist es, das man im Unterricht zu fassen bekommen muss, und zwar nicht 
ein formales, von der Schule geprägtes Leben, sondern das wirkliche, echte Leben, das von 
den Kindern erlebte Leben."
Célestin Freinet

"Durch die Kooperation der Lehrerschaft und innerhalb der Schule bei den Schülern will Freinet 
bestmögliche Vorausetzungen für die Schaffung eines Erziehungsmilieus erreichen, das in 
Sachlichkeit und Mitmenschlichkeit gleichermaßen eine fruchtbare, moderne Erziehung ermöglicht.

Eine Schule, die diese Ziele und Arbeitstechniken verfolgt, nimmt die Erziehung zur Verantwortung 
und zu demokratischem Verhalten ernst. Sie ... läßt weitgehenden Spielraum für die Kreativität 
des Schülers. ... Sie ist kindgemäß, lebensnah und gibt ihren Schülern die Chance, sich zu 
selbständigen, ihrer Möglichkeiten und Grenzen bewußten kritischen Menschen zu bilden."
Elise Freinet (aus http://www.freinet.paed.com/freinet/start.php )

"Der Pädagoge hatte seine Methode aufs genaueste ausgearbeitet; er hatte - so sagte er - 
ganz wissenschaftlich die Treppe gebaut, die zu den verschiedenen Etagen des Wissens führt, 
mit vielen Versuchen hatte er die Höhe der Stufen ermittelt, um sie der normalen Leistungsfähigkeit 
kindlicher Beine anzupassen; da und dort hatte er einen Treppenabsatz zum Atemholen eingebaut 
und an einem bequemen Geländer konnten die Anfänger sich festhalten.
Und wie er fluchte, dieser Pädagoge! Nicht etwa auf die Treppe, die ja offensichtlich mit Klugheit 
ersonnen und erbaut worden war, sondern auf die Kinder, die kein Gefühl für seine Fürsorge zu 
haben schienen.
Er fluchte aus folgendem Grund: Solange er dabei stand, um die methodische Nutzung dieser 
Treppen zu beobachten, wie Stufe um Stufe empor geschritten wurde, an den Absätzen ausgeruht 
und sich an dem Geländer festgehalten wurde, da lief alles ganz normal ab. Aber kaum war er für 
einen Augenblick nicht da: sofort herrschten Chaos und Katastrophe! Nur diejenigen, die von der 
Schule schon genügend autoritär geprägt waren, stiegen methodisch Stufe für Stufe, sich am 
Geländer festhaltend, auf dem Absatz verschnaufend, weiter die Treppe hoch - wie Schäferhunde, 
die ihr Leben lang darauf dressiert wurden, passiv ihrem Herrn zu gehorchen, und die es aufgegeben 
haben, ihrem Hunderhythmus zu folgen, der durch Dickichte bricht und Pfade überschreitet.
Die Kinderhorde besann sich auf ihre Instinkte und fand ihre Bedürfnisse wieder: eines bezwang die 
Treppe genial auf allen Vieren; ein anderes nahm mit Schwung zwei Stufen auf einmal und ließ die 
Absätze aus; es gab sogar welche, die versuchten, rückwärts die Treppe hinaufzusteigen und die es 
darin wirklich zu einer gewissen Meisterschaft brachten. Die meisten aber fanden - und das ist ein 
nicht zu fassendes Paradoxon - dass die Treppe ihnen zu wenig Abenteuer und Reize bot.
Sie rasten um das Haus, kletterten die Regenrinne hoch, stiegen über die Balustraden und erreichten 
das Dach in einer Rekordzeit, besser und schneller als über die so genannte methodische Treppe; 
einmal oben angelangt, rutschten sie das Treppengeländer runter, um den abenteuerlichen Aufstieg 
noch einmal zu wagen.
Der Pädagoge macht Jagd auf die Personen, die sich weigern, die von ihm für normal gehaltenen 
Wege zu benutzen. Hat er sich wohl einmal gefragt, ob nicht zufällig seine Wissenschaft von der 
Treppe eine falsche Wissenschaft sein könnte, und ob es nicht schnellere und zuträglichere Wege 
gäbe, auf denen auch gehüpft und gesprungen werden könnte; ob es nicht , nach dem Bild Victor 
Hugos, eine Pädagogik für Adler geben könnte, die keine Treppen steigen, um nach oben zu 
kommen?"
Originaltext von Celestin Freinet: "Adler steigen keine Treppen", S. 293 ff. (gefunden auf der Webseite der Freinet-Schule in Moritzburg)

Fünf wesentliche Elemente der Freinet-Pädagogik

Die fünf wesentlichen Elemente der Freinet-Pädagogik (nach Roland Laun, "Freinet - 50 Jahre danach"; Heidelberg, 1983, bvb-edition schmidt-herb & mehlig; 2.Auflage; S.47):"

  • Selbstverwaltung der Klasse in Form einer Kooperative
  • Selbsttätigkeit bei der Arbeit und beim Lernen
  • Kooperation der Schüler in der Klasse
  • "Entdeckendes Lernen" in einer anregenden Lernumwelt
  • "Freier Ausdruck" der Kinder im weitesten Sinne"

Die soziale Organisation der Freinet-Klasse

Individuelle und soziale Aspekte der Schülerrolle in der kooperativen Klasse nach einem Entwurf für ein Schaubild von Klaus Hoff, Köln (1981); (vgl. Abbildungen in Roland Laun, "Freinet - 50 Jahre danach"; Heidelberg, 1983, bvb-edition schmidt-herb & mehlig; 2.Auflage; S.411, S.413, S.419)

Das Kind (als individuelle Person) ist frei:

  • zu handeln:
    • "entdeckendes Lernen" im naturwissenschaftlichen Bereich
    • biologische Versuche; Garten
    • mathematische Situationen
    • Sachaufgaben
    • Untersuchungen
    • das Wort ergreifen
  • sich auszudrücken und zu kommunizieren:
    • mündlich:
      • Gespräch
      • Bericht
      • Bandaufnahme
      • Diavertonung
      • Theater
      • Puppenspiel
    • schriftlich:
      • "Freier Text"
      • Bericht
      • Erzählungen
      • "Freie Dichtung"
      • Briefeschreiben
      • Klassenzeitung
      • Vorträge usw.
    • grafisch:
      • Illustration der Klassenzeitung
      • Korrespondenz
      • Wandbilder
      • Ausstellungen
    • handwerklich (div. Materialien: Ton, Stein, Holz, Linol usw.)
      • Geschenke
      • Ausstellungsstücke
      • Gebrauchsgegenstände
      • Versuchsaufbauten
    • musikalisch:
      • Chor
      • Orchester
      • "Freie Musik"
      • Liedermachen
      • Melodien erfinden
    • körperlich:
      • Spiele
      • Sport
      • Ruhe
      • Entspannung
      • Theater
      • mimischer Tanz
      • Rollenspiel usw.
  • sich zu organisieren:
    • Wahl des Inhalts
    • Wahl der Arbeitsform
    • Mitarbeiter
    • Zeitdauer
    • Zeitpunkt
    • Wahl des Ortes
    • Wahl der Arbeitsmittel

Das Kind muss (als soziales Wesen):

  • die Person des anderen respektieren:
    • das Recht, gehört zu werden
    • das Recht, Vetrauen zu genießen
    • das Recht auf Anerkennung der pers. Anstrengung und Arbeit
    • das Recht auf Unterschiede
    • das Recht, zu irren
    • das Recht, nach eigenem Rhythmus zu lernen
  • gemeinsame Entscheidungen achten:
    • Organisation der Arbeit:
      • Arbeitsplan
      • Zeitplan
      • Vorschläge
      • Arbeitsvorhaben
      • Einsatz der Arbeitsmittel
      • Nutzung der Materialien
      • Verwendung der Geldmittel
    • Teilung der Macht:
      • Verantwortlichkeit
      • Verpflichtungen
      • Verträge
      • "Lebensregeln"
      • Kontrolle der Beschlüsse
      • Gruppenarbeit
      • Verhaltenskritik

  • gesetzliche und verwaltungsmäßige Bestimmungen der Schule berücksichtigen, z.B.:
      • feste Zeiten
      • Raumeinteilung
      • Lehrplan
      • Lehrerrolle
      • Prüfungen
      • Zeugnisse
      • Lernkontrollen

Analog gilt auch:

Die Schulkooperative (Verband von Individuen) ist frei:

  • zu handeln
  • sich auszudrücken und zu kommunizieren
  • sich zu organisieren

Die Schulkooperative (als soziale Gruppe):

  • die Person des anderen respektieren
  • gemeinsame Entscheidungen achten
  • gesetzliche und verwaltungsmäßige Bestimmungen der Schule beachten

Übliche "Institutionen" in der Freinet-Klasse

Institutionen im weiteren Sinn. Aufstellung entnommen aus Roland Laun, "Freinet - 50 Jahre danach" (Heidelberg, 1983, bvb-edition schmidt-herb & mehlig; 2.Auflage; S.47):"

  • Klassenversammlung
  • Gesprächsrunde
  • Briefkästen für Kritik oder Wandzeitung
  • "Verantwortliche"
  • Selbstverwaltete Klassenkasse
  • "freier Text"
  • "freies" Malen, Gestalten, Musizieren und Liedermachen
  • Druckerei in der Schule
  • Klassenzeitung
  • Korrespondenz
  • Erkundungen
  • Expertenbefragung
  • Arbeitsateliers
  • Selbsterstellte Klassenbibliothek"

Durch diese "Institutionen" werden den Schülern auch institutionelle Techniken vermittelt, über die die Zusammenarbeit und die (Selbst-)Organisation der Klasse verwirklicht werden kann.

Klassenversammlung

Wöchentlich findet eine Klassenversammlung statt, die der gemeinsamen Organisation und Planung der folgenden Schulwoche dient. Als zwei Funktionen beschreibt Klaus Zehrfeld ("Freinet in der Praxis. Zum Stand gegenwärtiger Freinet-Pädagogik: Unterricht und Lehrerkooperation";Beltz Verlag, Weinheim, Basel 1977; S.23):

  • "Organ der Mitbestimmung der Schüler bei der Gestaltung des Lehrplans und"
  • "Forum für die Besprechung und Schlichtung von sozialen Konflikten in der Klasse"
Es sind somit die Arbeit in der Klasse/Schule, als auch das Leben in der Gruppe Inhalt der Klassenversammlung. Die Klassenversammlung wird häufig am Ende einer Schulwoche abgehalten und dient damit einerseits der gemeinsamen Retrospektive, andererseits auch der gemeinsamen Planung und Vorbereitung der folgenden Woche. Dies umfasst unter anderem die wichtigsten Themen, die in der folgenden Woche bearbeitet werden. Diese werden somit verbindlich festgelegt. Zusammen mit noch nicht abgeschlossenen Themen und Arbeiten (sowie ggf. lehrplangebundenen Pflichtstunden) ergibt sich dadurch der gemeinsame Wochenarbeitsplan (siehe unten). Um die Durchführung der Klassenversammlung zu vereinfachen, wird eine meist eine verbindliche Tagesordnung festgelegt, die beispielsweise folgendermaßen aussieht (siehe Roland Laun, "Freinet - 50 Jahre danach"; Heidelberg, 1983, bvb-edition schmidt-herb & mehlig; 2.Auflage; S.49):
1. Kassenbericht des Kassierers
2. Was uns gefallen hat
3. Was uns nicht gefallen hat
4. Wir beschliessen
5. Wir schlagen für nächste Woche vor 

Bei der Klassenversammlung werden häufig einige Verantwortliche (Schüler) für bestimmte Bereiche besetzt. So übernimmt der "Kassierer" die Darstellung der Einnahmen und Ausgaben der Klassenkasse (z.B. für Materialien, Erkundungen,... bzw. Spenden, Verkauf der Klassenzeitung, ...) . Der "Vorsitzende" leitet die Versammlung und achtet z.B. darauf, dass jeder (in angemessener Länge) zu Wort kommen kann und die Tagesordnung beachtet wird. Zur Dokumentation wird die Klassenversammlung protokolliert (übernimmt insbesondere bei Grundschulklassen häufig der Lehrer, um die Qualität der Dokumentation bzgl. Umfang und Vollständigkeit zu sichern). Das Protokoll der Klassenversammlung(en) ist anschliessend für alle einsehbar.

Gesprächsrunde

In der Praxis hat es sich in vielen Klassen für sinnvoll erwiesen, neben der wöchentlichen Klassenversammlung auch tägliche Treffen der Klasse durchzuführen. Diese werden häufig vor Unterrichtsbeginn in einer kaum formalisierten Form abgehalten. Inhalte können beispielsweise sein:
  • am vorangegangenen Tag begonnene und nicht beendigte Tätigkeiten/Projekte
  • Sachen, die einzelne oder mehrere Schüler/Lehrer beschäftigen
  • durch die Schüler in die Klasse (zum Anschauen) mitgebrachte Objekte
  • Besprechung der bereits für diesen Tag geplanten Aktivitäten (vgl. Wochenplan)
  • Bildung von Arbeitsgruppen

Die täglichen Gesprächsrunden sind mit meist zwischen einer halben und dreiviertel Stunde Länge deutlich kürzer als die wöchentlichen Klassenversammlungen. Der Fokus liegt auf der Bestandsaufnahme der Aktivitäten und der Tagesplanung für die Projekte der Schüler/ der Klasse.

Briefkästen für Kritik oder Wandzeitung

Schüler können Kritik, Wünsche ... jederzeit festhalten und in einem Briefkasten oder auf einer Wandzeitung speichern. Diese Punkte werden z.B. zur nächsten Klassenversammlung vorgelesen und besprochen (meist unter der Bedingung, dass ein Name angegeben wurde)

Verantwortliche

Jeder Schüler hat im Rahmen des Lebens in der Klasse eine bestimmte Aufgabe/Funktion. Diese nimmt er selbstständig wahr und ist dafür verantwortlich. Diese Verantwortlichkeiten entstehen aus der Notwendigkeit, das täglcihe Zusammenleben zu organisieren und Voraussetzungen für ein befriedigende Lernen und Leben zu schaffen und aufrecht zu erhalten.

Beispiele für Verantwortliche:

  • Vorsitzender der Klassenversammlung; Moderator: leitet und moderiert die Klassenversammlung; achtet auf die Einhaltung der Tagesordnung und erteilt und entzieht notfalls Rederechte
  • Protokollführer; Sekretär: Dokumentiert Aussagen, Vorschläge, Entscheidungen und Einwände im Protokoll zur Klassenversammlung.
  • Kassierer: Führt/Verwaltet die Klassenkasse, aus der Materialien, Erkundungen, finanziert werden, und die beispielsweise durch den Verkauf der Klassenzeitung oder durch Spenden gefüllt wird. Die Entscheidungen über die Ausgaben werden selbstverständlich gemeinsam und demokratisch durch die Klasse getroffen.
  • Bibliotheksverantwortlicher: Ist für die Ausleihe und Rückgabe von Büchern und Lerhmaterialien verantwortlich
  • Atelierverantwortliche: sind beispielsweise für Zeichen-, Mathematik-, oder Musikateliers, oder auch für bestimmte Werkstätten verantwortlich.
  • Schulhofverantwortlicher, Tafelverantwortlicher, Pflanzenverantwortlicher, ....

Freier Ausdruck

  • Freier Text: "Der Freie Text ist nicht einfach einer, der keine Tabus kennt; er ist vor allem ein Text, der keine Klischees (LORENZER) enthält; ein Text, dessen Verfasser vom "leeren Sprechen" zum "vollen Sprechen" (LACAN) übergegangen ist. Das vermag nur geordnet sich zu vollziehen, denn das Kind, das aufschreibt, was es innerlich bewegt, nimmt mit seinen so verbalisierten Erinnerungen und Entwürfen an einer Kultur teil, der es seine Sätze erst verdankt." (Konrad Wünsche, "Über Praxis, Technik, Theorie in der Freinet-Pädagogik". In: Neue Sammlung. Zeitschrift für Erziehung und Gesellschaft, Nr. 2, S.108-121, 1978, S.115)
  • Freies Musizieren
  • Freies Malen
  • Freies Spiel/Theater
  • Freies Gestalten
  • Freies Liedermachen
  • ...

Druckerei in der Schule

Klassenzeitung

Korrespondenz

Erkundungen

Expertenbefragung

Arbeitsateliers

Selbsterstellte Klassenbibliothek

Arbeitsmittel

In der Freinet-Pädagogik wird weitestgehend auf den klassischen Einsatz von Lehrbüchern verzichtet, da diese als untauglich für ein kindgemäßes natürliches Lernen angesehen werden. Stattdesssen kommen diverse andere Lehrmaterialen und Arbeitsmittel zum Einsatz, die einerseits gemeinsam selbst durch die Klasse erstellt und weiterentwickelt werden. Andererseits werden auch Arbeitsmitttel, die sich im Einsatz an anderen Freinet-Schulen oder in anderen Freinet-Klassen bewährt haben, durch "interschulische" Zusammenarbeit ausgetauscht und kombiniert.

  • Archiv: Erarbeitete Texte, Protokolle, Unterlagen, Ergebnisse von Erkundungen und Untersuchungen. Schüler und Lehrer erweitern diese Dokumentation fortlaufend, beispielsweise auch durch Fotos oder Artikel aus Fachzeitschriften.
  • Klassenbibliothek/Schulbibliothek: Klassische Schulbücher, Atlanten, Lexika und andere Nachschlagewerke, Fachbücher, Kinder- und Jugendbücher. Wird durch Aufkauf von Büchern und Leihgaben zusammengestellt und von Schülern und Lehrern verwaltet.
  • Ateliers: Arbeitsräume oder -ecken in denen Werkzeuge, Bastelmaterialien, Holz, Metallteile, Gips, Ton, Konststoff, Experimentierkästen, Recorder und Musikgeräte, ... zur Verfügung stehen.
  • Nachschlagekartei: Kurzinformationen zu bestimmten Stichworten (z.B. als Karteikarte) in leicht verständlicher Form.
  • Versuchskartei: Anleitungen zu naturwissenschaftlichen Versuchen und technischen Experimenten.
  • Arbeitsbibliothek: Sammlung zu unterschiedlichen Fachgebieten und Themen (vgl. z.B. die BT; "Bibliotheque de Travail" der CEL)
  • ...

Beispiele für Arbeitspläne

Die Arbeitspläne dienen dazu, individuelle und gemeinsame Vorhaben zu planen und zu koordinieren (z.B. bzgl. Ressourcen). Die individuellen Arbeitspläne stehen dabei in engem Zusammenhang mit den kollektiven Arbeitsplänen der gesamten Klasse. Es besteht eine wechselseitige Beeinflussung und Abhängigkeit.

Die kollektiven Wochenarbeitspläne entstehen häufig einerseits aus der Vereinbarung der individuellen Interessen und Pläne der Schüler (und gewissen Notwendigkeiten) in der Klassenversammlung und wirken andererseits auf die Gestaltung der individuellen Wochenarbeitspläne zurück. Die Wochenarbeitspläne beinhalten damit die gemeinsam neu anvisierten Themen und die noch nicht abgeschlossen Themen und Arbeiten. Die Wochenarbeitspläne bilden dann meist die Grundlage für die individuellen (und kollektiven) Tagesarbeitspläne der Schüler und Lehrer. Der Lehrer notiert das Programm der kommenden Woche für seine Unterrichtsplanung, sorgt dafür, dass die notwendigen Unterlagen und Arbeitsmaterialien zur Verfügung stehen und liest sich ggf. in ein besonderes Gebiet ein. Durch Übertragung der nicht-erledigten Tagesziele auf folgende Tage oder die folgende Woche wirken die Tagespläne häufig auch auf den folgenden Wochenarbeitsplan zurück.

Die individuellen Wochenarbeitspläne führt jeder Schüler für sich. Er trägt darin ein, welche Arbeiten, Sachgebiete, Texte, Untersuchungen, Experimente, Vorträge er sich vornimmt bzw. er bearbeitet. Abhängig von der Klassenstufe umfasst der individuelle Arbeitsplan zunächst wenige Arbeitsgebiete und wird mit zunehmender Klassenstufe differenzierter. Am Ende der Woche vergleicht der Schüler selbst, welche der geplanten Arbeiten er zu Ende geführt hat. Die Markierung kann beispielsweise durch unterschiedliche Schraffierungen oder Farben erfolgen (z.B. erledigt=grün; nicht erledigt=rot). Durch die individuellen wöchentlichen Arbeitspläne erhalten die Schüler somit die Möglichkeit, ihre Tätigkeiten zu selbstständig zu planen und eigenhändig auszuwerten. Individuelle Arbeitspläne sind somit ein Mittel, die lehrerzentriert Notengebung durch die ehrliche Selbsteinschätzung des Schülers zu ersetzen. (vgl. Roland Laun, "Freinet - 50 Jahre danach"; Heidelberg, 1983, bvb-edition schmidt-herb & mehlig; 2.Auflage; S.56ff)

Beispiel 1: Individueller Wochenarbeitsplan

Beispiel für einen Arbeitsplan für die 4./5.Grundschulklasse in Anlehnung an Roland Laun, "Freinet - 50 Jahre danach" (Heidelberg, 1983, bvb-edition schmidt-herb & mehlig; 2.Auflage; S.57) nach EDUCATEUR (1. September 1981, 54.Jg.; S. 11):

ARBEITSPLAN

Plannummer: .......

Name: .......

Woche vom ....... bis .......

Ich bin verantwortlich für: .......

Ich bin gewählt als: .......

Ich plane für Mo Di Mi Do Fr nächste Woche
Deutsch            
Freier Text            
Information            
Korrespondenz            
Grammatik            
Rechtschreibung            
Diktat            
Vokabeln            
Gedichte            
Lesen            
Mathematik            
Rechnen üben            
math. Forschen            
Übungen            
Sachkunde            
Untersuchungen/Vortrag            
Experimente            
Kunst            
Zeichnen/Malen            
Werken            
Musik/Gesang            
Theater/Puppenspiel            
Sport            
Druckerei/Limograf            
Klassenversammlung            

Der Schüler: ....... Der Lehrer: ....... Die Eltern: .......

Beispiel 2: Individueller Wochenarbeitsplan

Beispiel für einen Arbeitsplan in Anlehnung an Roland Laun, "Freinet - 50 Jahre danach" (Heidelberg, 1983, bvb-edition schmidt-herb & mehlig; 2.Auflage; S.335), einem realen Arbeitsplan einer Klasse der "Ecole de Barre" von Francoise Vidal:

ARBEITSPLAN Name: ....... Klasse: ....... Woche: .......

Gebiet Beschreibung Mo Di Mi Do Fr
Schreiben            
Lesen            
Druckerei            
Schreibkartei            
Grammatik            
math. Untersuchungen            
Übungen            
Probleme            
Operationen            
Arbeitsbuch            
Freie Texte            
Korrespondenz            
Poesie            
Bibliothek            
Malen & Zeichnen            
Werken            
Gruppenprojekt            
Musik, Tanz & Lieder            
Freies Forschen            
Sport & Spiele            
             
             
             

Beispiel 3: Kollektiver Wochenarbeitsplan

Beispiel für einen kollektiven Arbeitsplan in Anlehnung an Roland Laun, "Freinet - 50 Jahre danach" (Heidelberg, 1983, bvb-edition schmidt-herb & mehlig; 2.Auflage; S.355), einem realen Arbeitsplan einer Klasse der "Ecole de Barre" von Francoise Vidal (erweitert Beispiel 2):

ARBEITSPLAN Name: ....... Klasse: ....... Woche: .......

Gebiet Beschreibung Mo Di Mi Do Fr
Text verbessern            
Schreiben            
Lesen            
Druckerei            
Schreibkartei            
Grammatik            
math. Untersuchungen            
Übungen            
Probleme            
Operationen            
Arbeitsbuch            
Freie Texte            
Korrespondenz            
Poesie            
Bibliothek            
Malen & Zeichnen            
Werken            
Gruppenprojekt            
Musik, Tanz & Lieder            
Freies Forschen            
Sport & Spiele            
Erkundung            
Vorträge            
Verbesserungen            
             
             
             

Kooperativer wechselseitiger Austauschprozess

Kooperationen (Quelle: aus Roland Laun, "Freinet - 50 Jahre danach"; Heidelberg, 1983, bvb-edition schmidt-herb & mehlig; 2.Auflage; S.72f):"

  • Kooperation in der Klasse: Die Schüler organisieren sich in der Kooperative, sie beraten, entscheiden, kritisieren, verändern.
  • Arbeitsgruppen-Kooperation: Eine Kleingruppe übernimmt eine Aufgabe, die Schüler verteilen die Arbeitsschritte und erlernen die auf die Lösung eines Problems zentrierte Kommunikation
  • Kooperation zwischen den Schulen: Die Zeitung und die Briefe, ob einzeln oder kollektiv verfaßt, stellen den Kontakt zu anderen Menschen und ihren Erfahrungsbereichen her. Frage und Antwort wechseln zwischen den Klassen. Wer weiß etwas? Wer kann helfen?
  • Kooperation der Lehrer: Die Klassentüren öffnen sich, die Lehrer finden in ihrer Departments- oder Regionalgruppe zueinander, veranstalten Fortbildungs- und Arbeitstreffen, organisieren sich im Lehrerverband. Überregionale Kommissionen erstellen Arbeitsmaterialien und analysieren Unterrichtserfahrungen. Kongresse und Landestreffen vertiefen den Kontakt untereinander und erleichern den Erfahrungsaustausch.
  • Kooperation zwischen Eltern und Schule: Die Klassenzimmertür ist jederzeit offen für Eltern, die zum Schauen und Erleben kommen wollen. Neugierig geworden, arbeiten sie mit, bringen Ihre Kenntnisse und Berufserfahrungen in die Klasse mit ein. "

Weitere Links und Quellen:

Freinet-Kooperative e.V.

Freinet.Paed.com von Jürgen Göndör

Freinet-Schule in Moritzburg

* http://www.kinderland-sachsen.de/projekte/freinet/freinet.html - Homepage der Freinet-Schule in Moritzburg * http://www.kinderland-sachsen.de/projekte/freinet/umsetzung.html - Umsetzung der Freinet-Pädagogik an der Schule * http://www.kinderland-sachsen.de/projekte/freinet/organisation.html - Organisation, Kosten und Rahmenbedingungen an der Schule

Weitere Links und Literatur zur Freinet-Pädagogik

Online

http://fffp.de/ - Sehr informative Webseite der Forschungsstelle für Freinetpädagogik der Universität Kassel mit Verweisen auf wissenschaftliche Arbeiten zum Bereich Freinet-Pädagogik

Freinet-Pädagogik bei dmoz.org/de

http://www.community-education.de/index.HTM

http://de.wikipedia.org/wiki/Freinet-Pädagogik

Offline

Roland Laun, "Freinet - 50 Jahre danach"; Heidelberg, 1983, bvb-edition schmidt-herb & mehlig; 2.Auflage; ISBN 3-921522-28-5 - Untertitel: Dokumente und Berichte aus drei französischen Grundschulklassen. Beispiele einer produktiven Pädagogik.

Klaus Zehrfeld, "Freinet in der Praxis. Zum Stand gegenwärtiger Freinet-Pädagogik: Unterricht und Lehrerkooperation"; Beltz Verlag, Weinheim, Basel 1977.

Konrad Wünsche, "Über Praxis, Technik, Theorie in der Freinet-Pädagogik". In: Neue Sammlung. Zeitschrift für Erziehung und Gesellschaft, Nr. 2, S.108-121, 1978.


-- IngoBlickling

Topic revision: r5 - 21 Oct 2009 - 18:17:22 - IngoBlickling
 
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